Shopsysteme in Zeiten von Agentic Commerce

Shopsysteme in Zeiten von Agentic Commerce
Photo by Mohamed Nohassi / Unsplash

Wie reagieren eigentlich die Plattformanbieter auf den sich abzeichnenden Paradigmenwechsel im E-Commerce? In dieser Woche haben sich gefühlt die Meldungen dazu gehäuft, lasst uns einmal kurz aufräumen und sortieren:

commercetools bringt Autonomie

Ich bin immer wieder erstaunt, wie leicht sich unsere Branche damit tut, neue Begriffe zu prägen. Case in point: commercetools hat in dieser Woche eine neue Produktkategorie namens Autonomous Commerce vorgestellt. Wichtig dabei: commercetools meint damit ausdrücklich nicht den käuferseitigen Einkaufsassistenten, sondern die andere Seite des Tresens. Autonomous Commerce steht für KI-Systeme, die händlerseitige Operations in Echtzeit eigenständig steuern, also Pricing, Inventory oder Marketing, "within rules and boundaries". Agentic Shopping (KI handelt für den Kunden) und Autonomous Commerce (KI betreibt den Shop) sind laut meinem Verständnis für commercetools zwei verschiedene Enden derselben Wertschöpfungskette.

Dabei bekommen wir es mit einem alten Bekannten zu tun: Sphere heißt nun die Plattform (wieder), die die Basis für Transaktionen in der agentischen Welt sein soll. Eine Reminiszenz an die ersten Jahre des Unternehmens, dessen erstes Cloud-Produkt um 2013 als SPHERE.IO startete, lange vor dem Rebrand auf den Firmennamen. Sphere bündelt die API-First-Module (Carts, Orders, Checkout, Catalog, Inventory, Search, Promotions) und treibt laut Unternehmen bereits über 100 Milliarden US-Dollar jährliches GMV. Dazu kommt mosAIc als Orchestrierungslayer für große Handelsunternehmen, das während der Shoptalk Europe in Barcelona vorgestellt wurde und Multi-Agent-Orchestration über Pricing, Promotions und Fulfillment verspricht.

Shopware rollt KI-Assistenten aus

In dieser Woche fand in Köln der Shopware Community Day 2026 statt, und dort kündigte das Unternehmen einige neue Plattform-Updates und Produkte an, die Shopware-Händler:innen für das agentische Zeitalter vorbereiten sollen:

  • Shopware Copilot, ein KI-basierter Assistent, der bei der Admin-Arbeit unterstützt
  • Shopware Nexus als neuer Integrationslayer
  • Shopware Payments, eine native Zahlungslösung in Partnerschaft mit PayPal
  • Experience Studio (als Research Preview), das aus einer Beschreibung heraus funktionale Commerce-Frontends und Story-getriebene Shopping-Erlebnisse generieren soll

Dazu meldet Shopware komplette MCP-Coverage und UCP-Readiness, jede Aktion in der Plattform ist damit für KI-Tools und Agenten ansprechbar. Flankiert wird die Produktarbeit von der Agentic Commerce Alliance, dem von Shopware initiierten Gremium, das neue Standards entwickeln soll und zuletzt mit einer Welle neuer Mitglieder wuchs (darunter Trusted Shops, Nexi Group und FactFinder).

Shopify mit Infrastruktur-Themen

In den letzten Wochen hat Shopify vor allem mit Infrastruktur-Themen auf sich aufmerksam gemacht, etwa wie der interne AI-Agent River die Entwicklungsarbeit im Unternehmen beschleunigt (mittlerweile ist rund jeder achte gemergte Pull Request von River co-authored), oder wie die interne Hosting-Plattform Quick es Mitarbeitenden erlaubt, KI-basiert eigene Websites und Apps zu veröffentlichen. Bei Quick lädt man schlicht einen Ordner mit HTML hoch und bekommt eine sichere, intern sichtbare URL zurück, ganz ohne Framework oder Deploy-Pipeline.

Vier Monate nach dem Launch des Universal Commerce Protocol (UCP), das Shopify gemeinsam mit Google vorantreibt, zieht Ilya Grigorik in "Millions of merchants speak UCP" Bilanz: Shopifys gesamte Merchant-Basis sei "millions of merchants strong, searchable, scriptable, and skill-ready", der Stack von Catalog über Cart und Checkout bis MCP-Transport bottom-up vollständig.

ShopAgentic mit Pre-Seed-Finanzierung

In einer Zeit, in der viele etablierte Player zu "Agentic-First"-Unternehmen pivotieren, ist es erfrischend, auch komplette Neugründungen für die Agent-Welt zu sehen. Wie ShopAgentic, einer von Grund auf neu gedachten Plattform für agentenfreundlichen Onlinehandel aus Hannover (gegründet im Dezember 2025). Statt eines monolithischen Aufbaus setzt das System auf eine "Fußballmannschaft" spezialisierter Agenten, von denen jeder einen Job besitzt (Katalog, Pricing, Customer Service, Fulfillment) und auf dynamisch generierte Oberflächen ("Ephemeral UIs").

Dahinter steht ein Team rund um Alexander Ringsdorff und Kai-Thomas Krause (ehemals couchCommerce und NewStore), dem Who's Who der deutschen E-Commerce-Szene wie Jochen Krisch und Sven Rittau als Angels, und zwei VCs, die das ganze mit 1,9 Millionen Euro finanzieren.